SOCIAL GOLD KISS - Degussa 1938/2012

Bei meinem "Bodengold" Kontrollbesuch im Unteren Belvedere, am 4. April 2012, musste ich eine erstaunliche Entdeckung machen: "Degussa und das Echo der Vergangenheit" vereinten sich mit dem "Kristalltag" Diptychon.
 
 
DEGUSSA 1938 - 2012
 
Betritt man die Orangerie des Unteren Belvedere sieht man Gold. Gold in einer Weltpremiere - Gold in einer Vielfalt von zeitgenössischer, künstlerischer Auseinandersetzung wie es noch nie zuvor zu sehen war.
Eine eindrucksvolle Arbeit dominiert den unteren Teil des Raumes. Das "Schild des Apollon" von Walter Schnabl - eine goldene Scheibe mit dem Durchmesser von 3,33 Meter. Als ich am 4. April 2012 diesen Raum betrat erregte eine kleine Menschgruppe - darin ein kurzes "Aufblitzen" - meine Aufmerksamkeit und die reflexartige, fotografische Dokumentation dieser Situation.

Anm.: Um die Bildrechte der "GOLD" Ausstellung zu schützen ist das Filmen oder Fotografieren der Exponate strengstens untersagt. Für mich, als Schöpfer meiner Werke, ist mir die Abbildung meiner Arbeiten naturgemäss gestattet.
Dies ist
das einzige Foto, dass ich unbewußt/bewußt als Bildrechtsverletzung eines kollegialen Werks machte, bzw. "machen musste".
 
GOLD Orangerie Raumsituation
 
Nachdem sich die BetrachterInnen von meiner Arbeit entfernt hatten sah ich sofort das kleine (Gold)Objekt, dass meine Irritation auslöste.
Es war das Informationsschildchen zum Werk von Walter Schnabl. Bei der Ausstellungseröffnung am 14. März 2012 war dieses Schildchen noch an der linken Längswand platziert. Nun ist es völlig unerwartet in das "rechte Eck" gewandert... sichtlich angezogen von meinem Diptychon...
 
GOLD - Orangerie - Kristalltag Diptychon
 
Betrachtet man das Informationschildchen fällt auf, dass es sich von allen anderen Schildchen in der Orangerie abhebt. Einerseits in seiner farblichen Erscheinung (Es erscheint golden, alle Anderen sind Grau) und anderseits durch ein darauf befindliches Firmenlogo der DEGUSSA. Meines Wissens sind in der Ausstellung keine anderen Firmenlogos zu sehen.
Auch fällt auf, dass versucht wurde das Schild zu entfernen. Dies erinnert mich an das "Kindergarten Vorfeld" und die Aussage der kleinen Kindergarten GestalterInnen: "Wir kletzln. Der Künstler hat gesagt das Gold muss runter".
 
"Schild der DEGUSSA" - "GOLD" im Belvedere, Wien 2012
 
(Dieses Objekt wurde von mir, am Ostersonntag 2012, zur Kunst erklärt und, am Ostermontag, zum "Schild der Degussa" getauft)
 
Nun, da auch hier "gekletzlt" wurde und ich mit absoluter Sicherheit weis, dass der Künstler niemals sagte "Das Schildchen muss runter", bleibt nur eines anzunehmen: Eine/r oder mehrere Kunstsinnige BesucherInnen haben in ihrer Sensibilität die Störung in der Schildchen-Werk Anordnung wahrgenommen und couragiert darauf reagiert.
Die gesamte Ausstellung wird Videoüberwacht. Es wäre, auch in künstlerischer Hinsicht, interessant die Person/en und den Tag des "Klezlattentats" zu finden und herauszufiltern...
Die ursprüngliche meditative Situation der Hängung meiner Arbeit ist nun zerstört. Ich hatte am Beginn der "GOLD" Ausstellung mit grosser Freude die "Ruhe" Position der Hängung wahrgenommen und dies auch dem Kurator Prof. Thomas Zaunschirm, in einem E-mail vom 15. März 2012, mitgeteilt.
 
Da meine Kunst sehr prozessorientiert ausgelegt ist - von sogenannten "Zufällen" regelmässig begleitet wird - nehme ich dieses "Zeitgold" Ereignis in mein Werk auf und erkläre hiermit das kommerzielle "DEGUSSA Schildchen" zur Kunst.
Bedenkt man die zeitliche Komponente des Kristalltag Diptychons - Das Jahr 1938, in dem das Attentat von Herschel Grynspan den, von den Nazis willkommenen, Weg zur Kristallnacht bereitete und damit den Holocaust einleitete, wie die Verknüpfungen der DEGUSSA (damals DEGESCH) mit dieser Zeit des Naziregimes ("Zyklon B" und "Opfergold"...) - wird die Brisanz des aktuellen Nahverhältnisses und Ereignisses in der Orangerie des Unteren Belvederes bewusst:
 
Das Portrait von Herschel Grynspan neben der Degussa Werbung...

Das Echo der Vergangenheit  - ein "zeitloser" Wirtschaft Artikel, vom 12.11.2003, in der Süddeutschen Zeitung (von Hans Leyendecker) - lautet im Untertitel:
"Auch wenn die heutige Degussa fast nichts mehr mit der alten gemeinsam hat - die dunklen Seiten ihrer Geschichte holen sie immer wieder ein."
Ein wahrer und visionärer Satz, wie dieses aktuelle Ereigniss eindringlich zeigt.
 
Ein Bildinhalt der "Social Gold Kiss" Triptychen steht in direktem Bezug zu diesem aktuellen Ereignis. Sein Titel lautet:  "Zahn Gold - Zeit Gold". Es wäre ein wahrhaft positives Signal und Zeichen von Kunstverständnis und Geschichtsaufarbeitung wenn sich die DEGUSSA oder ÖGUSSA für einen Ankauf dieses Werks interessieren könnte...
KZ Zahngold 1938
Zum Abschluss des Berichts noch eine Detailaufnahme vom zeitgenössischen "Echo der Vergangenheit" = den Spuren der Wandabnahme an der linken Orangerie Längswand :
 


Fotografiert am 6. April 2012
 
Zur Schildabnahme am 17. Juli 2012


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